Gedanken zum Nach.denken von Alfred Dietmaier, pens. Arzt und Pfarrgemeinderat

Profis verstehen ihr Handwerk – egal, ob es Spitzensportler, Klaviervirtuosen, Kunsttischler, Dolmetscher o.ä. betrifft. Mit Ausdauer, Aufmerksamkeit haben sie geplant, zumeist mit Hilfe von Lehrern, ihre Fertigkeit zur Meisterschaft entwickelt.
Auch die Jünger Jesu waren als Fischer vor ihrer Berufung Profis in ihrem Beruf – vertraut mit allen Herausforderungen und Feinheiten ihres Jobs.
Nach ihrer Berufung begann neuerlich eine Lehrzeit. Die Jünger waren zunächst begleitende Beobachter, wenn Jesus predigte und heilte. Sie konnten bei Jesus den Umgang mit Menschen studieren, wie er sein Anliegen in verständliche Worte und Bilder kleidete.
Ich bin sicher, dass es zu manchen Predigtthemen mit den Jüngern Nachbesprechungen gab, um Unverständnis, Zweifel, Überforderung so weit wie möglich auszuräumen.
Nach ihrer „Lehrzeit“ wurden die Jünger von Jesus immer wieder zum Predigen und Heilen ausgesandt. Ihre Erfahrungen waren meist positiv, aber sie erlebten auch persönliche Grenzen.
Training hat auch für unser Gebetsleben einen beispielhaften Aspekt. In der täglichen, regelmäßigen Beschäftigung mit unseren Glaubensfragen gewinnt unser Gespräch mit Gott allmählich an Tiefe und Weite. Bei Verunsicherung und Zweifel können auch wir professionellen Rat suchen.
Unsere Lebensfragen sind immer auch Glaubensfragen, weil letztlich alles auf unsere Beziehungen hinausläuft, wem oder was ich glaube. Unser Verhalten, unsere Urteile, unser Umgang mit unseren Lieben, mit Kollegen und Freunden, auch mit Fremden wird von unseren Überzeugungen mitbestimmt.
Gottes- und Nächstenliebe gehen Hand in Hand.
