Das neue Kirchenjahr

Mit dem 1. Adventsonntag beginnen wir das neue Kirchenjahr und damit der neue Lesezyklus. Dieser ist ein dreijähriger Zyklus der Sonntage A, B und C, der sich an den drei sog. synoptischen Evangelien ausrichtet. Diesmal ist das Jahr A an der Reihe und das ist das Matthäusjahr – im Zentrum steht das Matthäusevangelium. Die Werktage aufgeteilt sind auf Lesejahr 1 und 2. In der Liturgie haben wir das 2. Lesejahr.

Wir bleiben aber bei Matthäus. Das Matthäusevangelium wird traditionell dem Apostel Matthäus zugeschrieben, obwohl der Verfasser im Text selbst anonym bleibt. Es entstand wahrscheinlich zwischen 80 und 90 n. Chr. in einem judenchristlichen Milieu, möglicherweise in Syrien. Der Autor verarbeitet verschiedene Quellen, darunter das Markusevangelium, das wahrscheinlich das älteste der drei synoptischen Evangelien ist (um 66-73 n. Chr.), um eine systematische Darstellung der Lehren Jesu zu bieten.

Die wichtigsten theologischen Aussagen Matthäus sind:

  1. Jesus ist wirklich der erwartete Messias: Matthäus betont die messianische Identität Jesu, indem er ihn als Sohn Davids und Sohn Gottes darstellt. Diese Titel sind zentral für die jüdische Heilserwartung und werden durch den Stammbaum zu Beginn des Evangeliums eingeführt. Jesus wird auch als der neue Mose gesehen, der sein Volk durch Lehren und die Verwirklichung des Gesetzes auf einen gerechteren Weg gestellt wird.
  2. In Jesus erfüllen sich die Prophezeiungen der Schrift: Das Evangelium hebt hervor, wie Jesus die Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt. Dies geschieht durch zahlreiche Zitate und Verweise auf die Schrift, die die Verbindung zwischen Jesus und der jüdischen Tradition verdeutlichen. Diese dienen als gewisse Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen Testament.
  3. Jesus ist ein Lehrer: Die Lehren Jesu werden in fünf großen Reden präsentiert, wobei die Bergpredigt die bekannteste ist. Diese Reden behandeln Themen wie das Himmelreich, die Nachfolge und die ethischen Anforderungen an die Jünger, dazu gehören vor allem Umkehr und gerechtes Handeln. Jesu Lehre bestätigen seine Taten und Wunder.
  4. Jesus spricht mit der göttlichen Autorität: Jesus wird als „Gott mit uns“ (Emmanuel) dargestellt, der in seiner Auferstehung die ultimative Macht über Tod und Teufel beweist und seinen Anhängern bis zum Ende der Zeit beisteht.
  5. Missionarische Ausrichtung: Nach der Auferstehung wird die Gemeinde des Matthäus beauftrag, alle Völker zu missionieren. Dies zeigt die universale Dimension der Botschaft Jesu und die Öffnung des Christentums für Nicht-Juden.

Matthäus verwendet in seinem Werk eine klare Struktur und viele Parallelen und Wiederholungen. Seine Sprache ist klar und lehrhaft, und so will er die Lehren Jesu vermitteln und die Leser zur Nachfolge ermutigen.

P. Kazimierz Starzyk

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