„VATER UNSER IM HIMMEL“ (1)

Gedanken zum Nach.denken von Alfred Dietmaier, pens. Arzt und Pfarrgemeinderat


Wie oft bete ich wie automatisch und unaufmerksam. Beten ist meine allzeitige Kontaktmöglichkeit mit Gott- ist meine Bereitschaft, mich mit Vertrauen auf Gott persönlich einzulassen. Als Gotteskind, als Jesu Bruder und Freund.

Jesus, der menschgewordene Gott, erzählte begeistert vom Vater, vom Himmel und auch vom Beten- vom allezeit Beten. Es war daher naheliegend, dass die Jünger den so oft erwähnten Vater auch einmal sehen wollten. Und was antwortet Jesus? Wer mich sieht, sieht den Vater. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist (Joh 14). Ob die Jünger diese Erklärung Jesu damals verstanden?

Vater sein und Vaterschaft wird immer wieder hinterfragt. Die Vaterrolle, die Familie, die Geschlechtsidentität scheinen sich zu verflüssigen. Für Menschen, die ihren Vater nicht kennen oder ihn aus den Augen verloren haben, kann „ein unnahbarer Vater im Himmel“ unverständlich sein.

Durch verpolitisierte und passend entkernte Religionsbewegungen versuchen einige Führungspersönlichkeiten ihre Machtbasis auch mit religiösen Parolen zu verbreitern.

Das Familienbild mag heute angekratzt wirken. Trotzdem steht Familie noch immer für Gemeinschaft, für ein Miteinander in gegenseitigem Vertrauen, selbst mit Schwankungen von Nähe und Distanz.

Jesus eröffnet all den Menschen einen Zugang zum (himmlischen) Vater, die mit Vertrauen an dessen Fürsorge glauben. Das Reich Gottes ist, so Jesus, nicht hier noch ist es dort, sondern es ist bereits IN EUCH. Himmel ist also nicht nur Zukunft, er beginnt bereits mitten in unserer irdischen Unordnung und Unvollkommenheit. Jedes Mal, wenn wir dieses göttliche Potenzial in uns aktivieren, indem wir z.B. barmherzig, gerecht, friedfertig sind, wenn wir unsere Menschlichkeit hochfahren, dann wird Himmel.

Überall dort, wo die Kleinen, die Armen, die Ausgegrenzten sind, dort finden wir Jesus- den Vater- und den Himmel. „Oh Gott, du warst immer schon hier und ich habe es nicht gewusst“! (1.Mose 28,16)

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