Gedanken zum Nach.denken von Alfred Dietmaier, pens. Arzt und Pfarrgemeinderat

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME – so lautet die nächste Bitte.
Aus dem Munde Jesu, des Gottessohnes, erscheint die Heiligung des Namens Gottes passend. Bei meiner Suche durch zahlreiche Deutungen des Vaterunser traf ich auf keinen allgemeinverständlichen und direkten Zugang zu diesem Satz. Wie viele jesuanische Impulse warten darauf, aus ihrem sprachlichen Korsett befreit zu werden.
Wir können bitten, danken, durch unser gottgefälliges Leben Gott loben – aber wir Menschen können Gottes Heiligkeit nicht vermehren.
Alles geht nur über Jesus – nur er ist gottseidank nicht abstrakt, sondern als Person biblisch bekannt. Mit dem alttestamentlichen ICH BIN DA hat sich Gott einer Namensgebung entzogen. Sein machtvolles Wirken können wir erkennen. Meine Annäherung gelingt mir daher nur über Jesus: Wer mich sieht, der sieht den Vater.
Anschließend bitten wir: DEIN REICH KOMME.
Jesus spricht damit den Willen Gottes aus: seine Kraft (sein Geist) will uns zur Wahrheit und zum Licht führen, damit wir in einer Zeit von Chaos, Dunkel und Gleichgültigkeit wieder nach unserem Lebenssinn suchen.
Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir auch geben. Das ist unser Auftrag, für Menschen heilsam zu sein, sie bei tödlicher Erstarrung zu beleben, Menschen aus diversen Verstrickungen herauszuhelfen. Überall dort, wo Krankes gesund, wo Altes erneuert wird, wo auf Unrecht das Recht folgt, dort geschieht Gottes Wille und dort ist sein Reich.
Wie bei den Israeliten nach Zeiten der Fremdbestimmung und Unterdrückung wird auch heute die Sehnsucht nach einem anderen Reich, dem Reich Gottes, verständlich.
Allerdings unterscheiden sich damals wie heute die Erwartungen der Menschen von Jesu Ankündigung einer Gottesherrschaft: er verspricht sie durch die Macht der Liebe und ganz ohne Waffengewalt und politischen Umsturz. Religiöse Parolen werden inzwischen wieder instrumentalisiert.
Bitten wir den Herrn, dass wir seine Liebe zu uns gerne mit Anderen teilen.
