Gar nicht königlich

Gedanken zum Nach.denken von Alfred Dietmaier, pens. Arzt und Pfarrgemeinderat


Es gibt laute Möchtegern-Könige, und es gibt stille Persönlichkeiten, deren Königswürde wortlos zu spüren ist. Neben den echt Royalen haben andere ihre Würde längst durch Scheinheiligkeit ersetzt. Wir schreiben 2026.

Da mit dem Königtum früher absolute Macht verknüpft war, streben manche ungekrönten Häupter nach einer vergleichbaren absoluten Machtfülle, sogar unter dem förderlichen Applaus religiöser Aktivisten.

Macht, Männlichkeit und Überlegenheit werden auch 2026 aus einer gewissen Bibeldeutung abgeleitet, um nützliche Brücken zur Politik zu schlagen.

Zur Zeit von Jesus kollaborierten die damaligen Eliten mit der römischen Macht. Jesu Predigten weckten irrigerweise eine Hoffnung auf politische Veränderung im Land.

Wenn Jesus vom Reich Gottes sprach, war damit nie der politische Umsturz gemeint. Und als Jesus vor Pilatus antwortete, dass er ein König-aber nicht von dieser Welt- wäre, so war das zur Veranschaulichung der göttlichen Machtfülle gemeint. Alles, was wir im Neuen Testament lesen, wurde von mehreren Verfassern geschrieben. So wird verständlich, dass unterschiedliche Themen-Schwerpunkte aufscheinen. Bei der Bibel ist es nicht zu verhindern, dass gewisse Textabschnitte politisch vereinnahmt werden.

Wenn Menschen die Errichtung des Gottesreiches hier und jetzt unter Gewalteinsatz versuchen, wird zuallererst der Botschaft Jesu Gewalt angetan.

Wenn die angebliche Nachfolge Jesu ohne Mitmenschlichkeit hinausposaunt wird, wenn die Nächstenliebe ein Opfer systemischer Übervorteilung wird, dann bleibt der Arme, Kranke, Schwache wieder und wieder auf der Strecke – eingesperrt, gekreuzigt – oder bombardiert, erschossen.

Versuchen wir immer wieder, uns dem Wort und Beispiel Jesu anzunähern. So werden wir durch die Menschenliebe auch immer mehr zur Gottesliebe finden.

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