Von Handelsreisenden

Gedanken zum Nach.denken von Alfred Dietmaier, pens. Arzt und Pfarrgemeinderat


Wir erleben einen unglaublichen Trend: die aggressive Geschäftemacherei. Verunsichernd, bedrohend, gleichwie plump und direkt erleben wir bühnenreife Auftritte von anstandslosen „Handelsreisenden“, deren Weltsicht nur auf Vorteilsgewinn ausgerichtet ist.

Das Thema ist deshalb bedeutsam, weil dabei religiöse Symbolik und ausgewählte biblische Passagen zu Geschäftszwecken einfließen. Derzeit geben apokalyptische Szenen die Schablone für die machtvolle Ausbreitung internationaler Interessen.

Die angemaßte Deutungshoheit für Jesu Wort und Beispiel überschreitet oftmals ihre Grenzen. Weder Lautstärke noch massenwirksame Auftritte können jedoch die dafür verzweckten Halb-wahrheiten rechtfertigen.

Mit Kenntnis der biblischen Texte können wir allerdings diese absichtsvollen Grenzüber-schreitungen, Missdeutungen oder Unterlassungen durch politische Trittbrettfahrer erkennen.

Jesu Botschaft ruht auf klaren Eckpfeilern, von welchen wir einige in Erinnerung rufen wollen. Das erste und zweite Gebot: Gottesliebe – Nächstenliebe – Eigenliebe sind wohl der Maßstab für die christliche Identität, welche Jesus niemals für religiös-nationalistische Anliegen missbrauchte.

Jesus war kein Geschäftemacher. Bei seinen Angeboten wurde niemand übervorteilt. Seine Hilfeleistungen erfolgten gratis und nur auf persönlichen Wunsch. Von Gottes- und Menschenliebe zu predigen, Respekt, Wertschätzung und Hilfsbereitschaft zu leben -das war wohl die unmissverständliche Haltung von Jesus.

Jesus, der Friedensfürst ganz ohne internationale Anerkennung, der mit seinem päpstlichen „Sprecher“ zu Deeskalation, Dialog, Interessensausgleich aufruft, dieser Jesus gibt ein bis heute kritisiertes Verhaltensmuster und Kontrastprogramm für viele weltliche Entscheidungsträger vor.

Bitten wir unseren Herrn, seinen Geist auszusenden, um in allen Herzen eine wahre Friedensbereitschaft wachsen zu lassen.

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