Bischofsvikar P. Voith: Ordensleute sind der „Zeigefinger auf das Mehr“

Redemptorist P. Voith wirbt in Kirchenzeitung „Martinus“ für neue Wertschätzung für die Ordensgelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam angesichts heutiger Problemlagen.

KATHPress-Bericht: 26.1.2022 (KAP)

Für eine neue Wertschätzung von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam setzt sich der Bischofsvikar für die Orden in der Diözese Eisenstadt, P. Lorenz Voith, ein. Die drei sogenannten „evangelischen Räte“, welche Ordensleute beim Eintritt in ihre Gemeinschaft geloben, würden heute von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Sie seien jedoch ein „Schatz für die Kirche und ein Zeigefinger auf das Mehr unseres Lebens und unserer Mühen“, erklärte der Redemptoristenpater in einem Beitrag der Kirchenzeitung „Martinus“ (aktuelle Ausgabe) anlässlich des am 2. Februar begangenen „Tag des geweihten Lebens“. Das Ordensleben sei kein Auslaufmodell, sondern hochaktuell.

Freilich sei es so, dass sich der Zugang zu den drei Gelübden verändert habe, veranschaulichte Voith am Beispiel der Armut. „Was heißt Armut heute, wo doch Wohlstand und Sicherheit ein hohes Gut sind?“ Armut bedeute jedoch auch, bewusster leben, den Luxus in Frage zu stellen und vieles als Geschenk wahrzunehmen. Ähnliches gelte für die Ehelosigkeit in einem säkularen Umfeld, in dem der freiwillige Verzicht eines Menschen auf intime Beziehung auf Unverständnis stoße. Voith: „Ehelosigkeit heißt auch frei und offen zu werden für Menschen – über Familie und Freundeskreise hinaus, für ein gemeinsames Unterwegs-Sein in Aufgaben für Gesellschaft und Kirche.“

Besonders schwierig habe es heute das Gelübde des Gehorsams, zumal in der Gesellschaft – besonders bei jungen Leuten – Freiheit und Selbstverwirklichung an oberster Stelle stünden. Hinzu komme, dass ein falsch verstandener Gehorsam in der Vergangenheit „mit christlicher Spiritualität wenig zu tun hatte“, bemerkte der Ordensmann. Für die Ordensgemeinschaften sei die Richtschnur für den Gehorsam heute „immer die Heilige Schrift, die Ordensregel, sowie die Verbundenheit mit der Gemeinschaft und letztlich: das eigene Gewissen“.

Experten für Kirche und Gesellschaft

Heute gibt es weltweit knapp eine Million katholische Ordensfrauen und -männer, davon 140 in der Diözese Eisenstadt, was das Burgenland zu einem „kleinen Ordensland“ mache, wie der Bischofsvikar bemerkte. Innerhalb der Kirche seien Ordensleute „Experten für den synodalen Prozess“, zumal es in den Gemeinschaften demokratische Prozesse gebe und Entscheidungen zumeist von unten nach oben gefällt würden. Ordensleute hätten „das Ohr beim Volk“, seien weltweit im Einsatz für Notleidende, Gerechtigkeit, Bildung und Schutz der Schöpfung, erzählten mit „missionarischem Geist“ anderen von Jesus Christus und würden deshalb oft zu Opfern von Verfolgung und staatlichem Terror.

Allerdings sei in vielen Ordensgemeinschaften in westlichen Ländern schon seit Langem die Sorge um Neueintritte virulent, betonte der Redemptoristengeistliche. Wegen des fehlenden Nachwuchses in Europa kämen heute viele neue Schwestern und Patres aus anderen Ländern in die heimischen Klöster und würden dort die Gemeinschaften neu beleben. Eine dauerhafte Lösung sei dies nicht, gab Voith zu verstehen. „Die Frage bleibt: Ist das der einzige Weg? Und: Wie fördern oder ermutigen heute Familien und Pfarren neue Berufungen aus ihrer Mitte?“ Gebot der Stunde sei es, „Lärm zu machen, hinauszugehen an die Ränder und Neues zu versuchen“, zitierte der Ordensmann eine Forderung von Papst Franziskus.

Tag des geweihten Lebens“

Am 2. Februar, dem Kirchenfest Mariä Lichtmess, rückt die Kirche mit dem „Tag des geweihten Lebens“ die Mitglieder von Ordensgemeinschaften und Säkularinstituten ins Zentrum. In mehreren Diözesen gibt es rund um diesen Termin spezielle Feiern mit Ordensleuten.

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